Die Innovationen von Startups sind der frische Wind in der M+E Industrie

16.12.2021
bertram-bossardt

Bertram Brossardt ist Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Herr Brossardt, Was verstehen Sie persönlich unter modernem Unternehmertum?

Bertram Brossardt: Das frühzeitige Erkennen wohin Entwicklungen gehen, welche Auswirkungen sie haben und das Treffen von Entscheidungen, die für die Zukunft notwendig sind – und zwar anhand von handfesten Fakten. In Bayern hat dieses Unternehmertum Tradition und insbesondere in der bayerischen M+E- Industrie gibt es hierfür hervorragende Beispiele.

Ihre über 3000 Mitglieder stammen aus der Metall- und Elektro-Industrie. Welche Herausforderungen sind aktuell die größten? Welche Trends zeichnen sich ab? Und wie hat Corona diese Lage beeinflusst?

Bertram Brossardt: Die Corona-Pandemie hat die Metall- und Elektroindustrie tief erschüttert. Der Staat hat richtigerweise beherzt eingegriffen und Stützen aufgestellt – etwa durch großzügigere Regelungen bei der Kurzarbeit oder durch Wirtschafts- und Kredithilfen.

Im ersten Quartal 2021, auf dem Höhepunkt der zweiten Welle der Pandemie, fuhren 36,7 Prozent der bayme vbm Mitgliedsbetriebe Kurzarbeit. Eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme, welche den Arbeitsmarkt stabil halten konnte. So werden wir in diesem Jahr das Niveau von vor der Corona-Krise erreichen, das Vorrezessionsniveauaus dem Jahr 2018, aber erst 2022. Gebremst wird der Aufholprozess in der Metall- und Elektroindustrie von einem zum Teil massiven Mangel an Material und Vorprodukten.

Das ist inzwischen ein echtes Aufschwung-Hindernis, wir gehen aber bisher davon aus, dass es sich um eine temporäre Erscheinung handelt. Die Beschäftigungspläne stehen im Übrigen unter den Vorzeichen der digitalen Transformation. Insgesamt blicken wir aber zuversichtlich auf die M+E Industrie.“

Jeder spricht vom Fachkräftemangel – wie kritisch ist dieser im Metall und Elektro-Bereich?

Bertram Brossardt: Zum Ende dieses Jahres werden in der bayerischen M+E Industrie 837.000 Personen beschäftigt sein. Das sind rund 35.000 weniger als zum Höchststand Mitte 2019. Was ein Widerspruch zu sein scheint, ist keiner: Wir haben in manchen Regionen ein Nebeneinander von beginnender Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem steigenden Fachkräftemangel.

In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sehen laut unserer aktuellen Umfrage drei Viertel der Unternehmen bereits negative Auswirkungen durch den Fachkräftemangel. Mit der Corona- Pandemie hat sich die Geschwindigkeit der digitalen Transformation massiv erhöht. In diesem Prozess werden Arbeitsplätze wegfallen, aber an anderer Stelle entstehen viele neue Jobs. Für diese müssen die Beschäftigten fit gemacht werden. Qualifizierung ist das Gebot der Stunde.

Die Lage wird sich mittelfristig aber noch weiter verschärfen, da es infolge des demographisch bedingten Mangels an geeigneten Auszubildenden immer schwieriger wird, geeigneten Nachwuchs zu finden. So ist 2021 die Zahl der Ausbildungsverträge in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie um 1,6 Prozent auf rund 13.600 zurückgegangen. Der wichtigste Grund ist der Mangel an geeigneten Bewerbern, nachdem wir im Vorjahr bereits einen – hier vor allem coronabedingten – Einbruch um 13,6 Prozent zu verzeichnen hatten.“

Wie stehen Sie zur Nachhaltigkeit und wie können Sie Ihre Mitglieder bei entsprechenden Maßnahmen zu unterstützen?

Bertram Brossardt: In unserem Wertekanon bekennen wir uns zu den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft, zu Staat und Rechtsordnung, zu den Grundsätzen guter Arbeit, zur Nachhaltigkeit sowie zur gesamtgesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen. Wir haben eine ausgeprägte Forschungslandschaft und einfallsreiche Unternehmen. So steht Bayern im Bereich der Klima- und Nachhaltigkeitstechnologien für 25 Prozent der deutschen und zehn Prozent der europäischen Forschungsaktivitäten. Nachhaltigkeit geht nur mit der Wirtschaft, nicht gegen sie.

Wir bieten zum Beispiel Mitgliedern einen Leitfaden zu Klimaneutralität im Unternehmen mit Handlungsfeldern, um insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unterstützen, ihr Engagement zu erhöhen und sich mit den wachsenden Anforderungen in diesem Bereich auseinanderzusetzen. Mit dem kommenden neuen „QuickCheck Klimaneutralität“ analysieren ausgewiesene Experten die CO2-Emissionen und Klimaschutzpotenziale für Unternehmen und geben Handlungsempfehlungen zur konkreten Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Damit können die Grundlagen für mehr Klimaresilienz geschaffen und erste Handlungsmöglichkeiten identifiziert werden, um die Unternehmensstrategie langfristig und nachhaltig auf das Ziel der Klimaneutralität auszurichten. Das alles sind nur Beispiele unserer umfassenden Services.

Welche Vorteile hat es für ein junges Unternehmen Mitglied in einem Arbeitgeberverband zu sein?

Bertram Brossardt: Ein Startup ist ab dem ersten Mitarbeiter auch Arbeitgeber. bayme vbm bieten Start-ups aus der Metall- und Elektro- sowie IT-Industrie vielfältige Networking- und Kontaktmöglichkeiten auch zu Industrieunternehmen. Vertreter von Mitgliedsunternehmen können an unseren Veranstaltungen, Kreisen und Workshops teilnehmen. Die Arbeitgeberverbände bieten jungen Unternehmen eine Plattform für Austausch und Networking, um Talente zu fördern.

Daneben gibt es aber noch spezielle Angebote für Start-ups. Auf unserer neuen Microsite fassen wir unsere Leistungen für junge Unternehmen kompakt zusammen. Ein weiterer Service ist die Vermittlung von arbeitsrechtlichen Grundlagen, die Start-ups und junge Unternehmen beachten müssen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten arbeitsrechtlichen Fragestellungen sowie Informationen zu Risiken und Gestaltungsoptionen – von der Begründung bis zur Beendigung eines Arbeitsverhältnisses.

Unsere Juristen beraten Start-ups auf Wunsch in arbeitsrechtlichen Fragen und vertreten die Mitgliedsunternehmen kostenlos in Prozessen bis zum Bundesarbeitsgericht sowie bei außergerichtlichen Auseinandersetzungen. Diese Angebote halten jungen Unternehmern den Rücken frei und entlasten sie bei ihrem Aufbauprozess. Ein besonderes „Schmankerl“ ist außerdem die Möglichkeit, das Konferenzzentrum im Haus der Bayerischen Wirtschaft (hbw) in München zu Sonderkonditionen zu nutzen.

Die Bayerischen Metall- und Elektrounternehmer bayme vbm haben unlängst eine Rubrik Services speziell für Start-ups geschafften, wie kam es zum Aufbau dieses Sektors?

Bertram Brossardt: Die Innovationen von Start-ups sind der frische Wind in der M+E Industrie. Im Zeitalter der Digitalisierung hängt die Zukunft des Standortes Bayern stark davon ab, inwieweit es uns gelingt, die Rahmenbedingungen auch für Start-ups attraktiver zu gestalten und diese mit unserer leistungsstarken M+E Industrie zu vernetzen. Bei Gründung und Aufbau eines Unternehmens kommt es darauf an, die Geschäftsidee mit einem wettbewerbsfähigen Geschäftsmodell zu verknüpfen und sich damit erfolgreich im Markt zu etablieren. bayme vbm unterstützen junge Unternehmen aus der M+E Industrie bei dieser herausfordernden Aufgabe. Wir haben ein zielgruppenspezifisches Angebot speziell für Start-ups aus der Metall- und Elektro- sowie IT-Industrie geschaffen.

Mit unserer neuen Microsite für Start-ups fassen wir unsere Leistungen für junge Unternehmen kompakt zusammen.

Welche dieser Services wird am meisten genutzt?

Bertram Brossardt: Im Mittelpunkt stehen unsere Plattformen zum Austausch mit etablierten Unternehmen. Unser Ziel ist es, die Sichtbarkeit junger Unternehmen zu erhöhen. Von uns organisierte Messen werden dafür am meisten genutzt. Dabei ist Austausch, Förderung und Hosting das, was junge Unternehmer brauchen. Hierfür haben wir zusätzlich Kongresse und Foren ins Leben gerufen. Als Beispiele sind etwa unser Business Excellence Day zu nennen, das M+E Forum oder viele regionale Kreise mit Fachthemen für IT-Leadership, Energieeffizienz oder skill sharing. Das funktioniert sowohl vor Ort als auch digital.

Wie schätzen Sie die Relevanz von Start-ups für die Wirtschaft ein? Gab es eines, das Sie kürzlich besonders begeistert hat?

Bertram Brossardt: Die Wertschöpfungsnetzwerke in Bayern sind leistungsfähig und hoch innovativ. Im Verbund mit etablierten Unternehmen spielen junge Unternehmen eine zunehmende Rolle, wenn es darum geht, Innovation und neue Impulse in die Wirtschaft zu tragen. Hier teilen wir ein gemeinsames Ziel. Die bayerischen Arbeitgeberverbände bieten Gründern die Plattform für deren smarte Ideen. Wer weiß,  ob das nächste große Unicorn nicht aus Bayern kommt? Das würde mich auf alle Fälle begeistern.

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Wir haben mit Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. über Innovationen & Startups gesprochen.

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